Heiligkreuztal
Die wohl schönste und am besten erhaltene Anlage eines Frauenklosters der Zisterzienser findet sich in Heiligkreuztal. Kirche, Konvent und auch die Wirtschaftsgebäude sind nahezu vollständig erhalten und zeugen vom Alltagsleben der Nonnen im Mittelalter. Von der besonderen Bedeutung des Konventes in geistiger Hinsicht zeugt heute noch die Darstellung der Minne im Altarraum. Aber auch die herrlichen Chorfenster und die Bemahlung des Kreuzgangs sind ein Abbild des regen geistigen Lebens des Klosters. Diese erkennen wir auch bei den Fresken aus dem Leben des Klosters im Kreuzgang und den Grabmalen von Stiftern und Äbtissinnen.
Entstanden aus einem Beginenhaus in Altheim zeugt es auch von den Anfängen der Zisterzienserinnen, die nur nach und nach in der Familie der Zisterzienser Aufnahme fanden. Dem Orden steht das Kloster von Heiligkreuztal in keiner Weise nach. Bis zu 125 Nonnen lebten im 14. Jahrhundert dort. Der große Kapitelsaal mit drei tragenden Säulen zeugt von der Größe des Konventes, ebenso wie das stattliche Refektorium, das als Speisesaal des Bildungshauses heute noch genutzt wird. Der vollständig erhaltene Kreuzgang erinnert die Besucher an das Leben der Nonnen in Heiligkreuztal. Und wer als Gast des Hauses in einem der Zimmer im Dormitorium schlafen darf, fühlt sich ganz in die Ruhe und die Andacht früherer Zeiten zurück versetzt.
Fotos: Achim Fürniss, Juni 2008
Alle Rechte beim Autor, Copyright
Daten
Gründung: 1227
Lat. Name: Vallis Sancta Crucis
Mutterkloster: Salem
Aufhebung: 1804 Säkularisation
heutige Nutzung: Bildungshaus, Stefanuswerk
Zustand: Fast vollständig erhalten, Kirche hochgotisch, Kreuzgang, Kapitelsaal und Refektorium spätgotisch
Infos
Lage: Westlich von Riedlingen, Donau (Baden-Württemberg, D), Karte
Links:
- Kloster Heiligkreuztal Wikipedia
- Stefanus-Gemeinschaft, Heiligkreuztal
- ZUM, Landeskunde
- Staatliche Schlösser und Gärten BW, Heiligkreuztal
- Klöster in Baden-Württemberg, Heiligkreuztal
Literatur:
- Pfister, Klosterführer aaO. , S.71
- Ursmar Engelmann, Heiligkreuztal, 1983
- Alfons Bacher (Hg.). Heiligkreutal, Geschichte und Gegenwart, 1982
Zugang: Kirche geöffnet, Konvent Tagungshaus
Die Johannes-Minne
Die Christus-Johannes-Gruppe im Chorraum von Heiligkreutal gehört zu den wichtigsten und schönsten Darstellungen des Typus im Mittelalter. Dieses besonders in Dominikanerinnen-Klöstern im deutschen Südwesten auftauchende Motiv zeigt die Christus-Minne der sich die geistigen Frauen im Kloster verbunden fühlten. Die Ikonografie greift dabei auf die Nähe des Lieblingsjüngers Jesu Johannes zurück, von dem es in Joh. 13,23-25 heißt, er habe beim Abendmahl an der Brust Jesu geruht. In der Mystik des 14. Jahrhunderts wird dieses Motiv der einander Liebenden zum Sinnbild der 'unio mystica' zwischen Braut und Bräutigam (vgl. Hohelied 2,6).
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